Immer wieder hört man den Spruch: „Ich freue mich schon so auf die Pension!“ Frägt man dann nach, was denn anders sein wird, kommt spontan „alles“. Tiefer nachfragen sollte man lieber nicht, weil Standard-Antworten wie „Hobbies“, „Reisen“, Bibliothek usw. kommen. Hinterfragt man, welche Hobbies es sind und wie oft im Jahr sie stattfinden, dann kann kommen: „Zweimal jährlich schon“. Also: es liegt meist keine „Vision“ vor, was jemand nach der Pensionierung erreichen will.

Es hat sich so eingeprägt, dass die Pension der Himmel ist: dann wird alles gut. Sehr oft stellen aber Menschen fest, dass sie nicht im Himmel gelandet sind. Denn ein endloser Urlaub ist nicht so schön wie der bisher erlebte mit seinem Enddatum. Der Mensch ist einfach nicht für die Hängematte geschaffen – sagen viele Forscher.

In ihrem Buch „Wunderbar weise“ hat Christine Haiden 100-Jährige interviewt. Alle, durch die Bank, hatten Krieg, Krankheit, KZ, Konkurs usw. hinter sich. Aber alle – so zieht sich ein roter Faden durch das Buch - „können“ noch nicht abtreten, weil sie „noch etwas vor haben“. Das ist wohl das Rezept: eine Vision zu haben, was man unbedingt erreichen will. Diejenigen Menschen, die sich auf die Zeit nach der Pensionierung durch Literatur, Coaching oder Seminar vorbereiten, sind hier klar im Vorteil.

Ein grundsätzlich tragischer Satz lautet: „Es zahlt sich für mich nicht mehr aus.“ Viele ältere Menschen haben immer wieder diesen Spruch parat.

Deshalb und daraufhin:

  • kaufen sie keinen Anzug, kein Kleid, mehr,
  • befassen sie sich nicht mehr mit dem Computer,
  • weigern sie sich, ein Handy zu benützen,
  • unternehmen sie eine Reise nicht mehr usw.

Es geht aber auch anders, wie man an folgenden Beispielen sieht!

Kardinal Dr. König

Im Jahre 1993 wandte sich Kardinal Dr. König an die Herder-Buchhandlung in Wien, um das neue „Lexikon für Theologie und Kirche“, dessen erster Band eben erschienen war, zu bestellen. Der Verkäufer bemühte sich, zu erklären, dass insgesamt 10 Bände vorgesehen sind und der letzte im Jahre 2001 erscheinen wird. „Machen Sie sich keine Sorgen, lieber Herr“, antwortete der Kardinal lächelnd, genoss die Lieferung aller 10 Bände und hat den letzten Band noch 3 Jahre „überlebt“. Bestellt hat er das Lexikon im Alter von 87 Jahren.

  

Univ. Prof. Dr. Hans Krasensky ist im 104 Lebensjahr gestorben

Vor einigen Monaten habe ich meinen Dissertationsvater, Herrn Univ. Pro f. Dr. Hans Krasensky, besucht, bei dem ich im Jahre 1965 promoviert habe. Er ist in der Zwischenzeit von Wien nach Mondsee übersiedelt – und immer noch außerordentlich frisch und aktiv. Niemand würde glauben, dass er am 2. Juli d. J. 103 Jahre alt wurde.

Diesen Geburtstag haben seine ehemaligen Assistenten, die inzwischen auch schon in Pension sind, mit ihm in festlichem Rahmen feiern. Er nannte es: "Eine kleine akademische
 Feier" und schickte mir ein Bild mit den Gratulanten.
Bei meinem Besuch empfand ich sein Interesse an mir, meiner Entwicklung, meiner Tätigkeit und meinen Zielen als sehr groß und wohltuend. Sagt man doch älteren Menschen im allgemeinen nach, dass sie „in ihrer eigenen Welt leben“ und hauptsächlich von sich selbst reden.

In den vielen Jahren, die ich ihn nun schon kenne, ist mir vor allem eine Veränderung positiv aufgefallen: er ist mit den Jahren weicher, aufgeschlossener und liebenswürdiger geworden. Nicht viele alte Menschen können das von sich behaupten.

Leider ist er am 25. November 2006 von uns gegangen. Ich kann ihn nicht mehr besuchen, aber sehr wohl in guter und dankbarer Erinnerung behalten.